Des Göttinger Landboten Zweitwohnsitz

Schadenfreude

New York. Eine Bank möchte eine säumige Schuldnerin aus dem Haus klagen. Der Richter verlangt einen Beweis, dass die Hypothek, die nicht mehr bedient wird, der Bank gehört. Die Bank kann das aber nicht beweisen, da der Kredit zusammen mit vielen anderen Krediten in einem Fonds gebündelt wurde, um Anteile davon zu verkaufen. Die Anteile wurden z.T. rege gehandelt. Wo ist nun der Kredit, über den in New York verhandelt wurde, geblieben? Die Bank weiß es nicht mehr so genau. Deshalb entschied der Richter, die Hypothekenschuld sei zu erlassen.

Quelle:
US-Banken finden ihre Hypotheken nicht mehr, WELT ONLINE vom 29.11.2009, Autorin: Viktoria Unterreiner


Wozu heiraten?

In einer Volksabstimmung haben sich die Texaner gegen die gleichgeschlechtliche Ehe ausgesprochen und wegen folgender Formulierung möglicherweise die Ehe als solche abgeschafft:

„Weder dieser Staat noch irgendeiner seiner politischen Organe darf irgendeinen legalen Status schaffen oder anerkennen, der einer Ehe identisch oder ähnlich ist.“

Quelle:
Ehe man in Texas die Ehe eingeht, tagesschau.de vom 20.11.2009


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Der Ball ist eckig

Im Prinzip bin ich für Sportwetten. Die bringen etwas Nervenkitzel in den Alltag und gelegentlich ein paar Euro extra.

Aber:

Das Geschäft ist immer wieder anfällig für Manipulationen und ein Betätigungsfeld für organisiertes Verbrechen. Das zeigen die aktuellen Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft. Einige Zeitgenossen wollen dem Glück auf die Sprünge helfen. Im Fußball Aktive wurden offenbar mit Belohnungen geködert, um für passende Spielergebnisse zu sorgen. Wer einmal anbeißt, kann hinterher nur noch schwer nein sagen.

Wenn bei solchen Auswüchsen der Staat private Sportwetten verbietet, lässt sich kaum dagegen argumentieren. Niedersachsen hat ein Glücksspielgesetz und darf, wenn ich das nach einem kurzen Blick auf relevante Suchergebnisse richtig sehe, private Angebote für Sportwetten untersagen. In Göttingen wurden entsprechende Läden vor zwei Jahren (?) geschlossen. Aber es gibt wieder neue Anbieter in der Innnenstadt. Vielleicht nur bis zum nächsten Verbot?

Quelle:

„Größter Wettskandal“ aufgedeckt, FAZ.NET vom 20.11.2009, Autor: Richard Leipold


Mutproben

Politiker reisen ohne große Vorankündigung nach Afghanistan, um sich den Taliban nicht als Angriffsziel anzubieten. Selbst dann ist es gefährlich, wie unser Verteidigungsminister erst kürzlich erfuhr. Jetzt ist die amerikanische Außenministerin Hilary Clinton überraschend in Kabul eingetroffen zur Amtseinführung von Präsident Karzai. Die Lage ist verfahren. Zu gewinnen ist der Krieg wohl nicht mehr. Andererseits steht Präsident Obama vor der Entscheidung, weitere 40.000 Soldaten nach Afghanistan zu verlegen, was die Situation vielleicht soweit verbessert, um später ohne großen Ansehensverlust aus dem Land heraus zu kommen. Die Hoffnung, im Land durch den militärischen Einsatz eine Demokratie aufzubauen, dürfte angesichts des korrupten Regimes weitgehend verflogen sein.

Quelle:

Hillary Clinton makes surprise visit to Afghanistan, cnn.com vom 18.11.2009


Ist alles in Ordnung?

Diese Frage stellen mir Kassiererinnen eines Supermarktes in der Innenstadt, wenn ich dort einkaufe. Einer Order ihrer Geschäftsleitung wegen müssen sie das wohl tun. Beschwerden am Point of Sale ‘abzufangen’, ist der Sinn der Übung. Im Prinzip keine schlechte Idee.

Aber es nervt mich ein wenig. Der Sinn der Frage ist ja zu erfragen, ob man als Kunde mit dem Laden zufrieden ist. Auf diese Art angesprochen, frage ich mich aber zuerst, ob mit mir alles in Ordnung ist. Natürlich ist einiges nicht in Ordnung. Die Nebenhöhlen sind wieder entzündet, weil es kalt wird. Ich habe ständig zu wenig Geld. Die Frage, ob ich mich gegen Schweinegrippe impfen lassen soll, nagt an mir. Es sterben Leute, weil sie sich haben impfen lassen oder weil sie sich nicht haben impfen lassen. Irgendwas ist also immer. So richtig in Ordnung ist es nie. Eine kurze Schrecksekunde nach dieser Frage antwortet man, tiefschürfende Gedanken beiseite schiebend: „Jaja.“

Was könnte ich stattdessen antworten, habe ich mich schon öfter gefragt. Vielleicht:

„Bei mir ja. Und bei Ihnen?“

„Das geht Sie gar nichts an!“

Einmal husten. Dann: „Scheiß Schweinegrippe!“

„Meine Freundin ist abgehauen. Haben Sie einen Freund?“

„Nein. Bei dieser Regierung?“

„Nein. Morgen muss ich in den Knast. Wegen Ladendiebstahl.“


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Nun ja …

DerWesten, das Online-Portal der WAZ-Gruppe, bringt vorab eine Geschichte aus dem Spiegel von heute. Sahra Wagenknecht habe eine Affäre mit Oskar Lafontaine, berichtet die Seite. Deshalb habe Frau Lafontaine ihren Oskar zurück an die Saar beordert.

DerWesten und Der Spiegel laufen gelb an. Im Kommentarbereich ist das Niveau z. T. im freien Fall. Abonnent Claus H. hat fertig.

Quelle:

Affäre zwischen Lafontaine und Wagenknecht?, DerWesten vom 15.10.2009, Autor: Frank Stenglein

Nachtrag (18.11.2009):

Einige Zeitungen und Zeitschriften sehen heute gar nicht gut aus nach ihren Spekulationen der letzten Tage. Oskar Lafontaine hat bekannt gegeben, an Krebs erkrankt zu sein und sich am Donnerstag einer Operation unterziehen zu müssen. Dazu ist ihm nur alles Gute zu wünschen. Und die Presse, insbesondere in der Form des sogenannten Qualitätsjournalismus? Die lässt in Zukunft besser mal Privates privat bleiben. (Letzteres bleibt wohl ein frommer Wunsch.)

Der Artikel im Spiegel:

Der virtuelle Kandidat, Spiegel Online vom 16.11.2009, Autoren: Stefan Berg und Markus Deggerich

Jens Berger über das Waten der Presse im Seichten:

Wenn der SPIEGEL mit dem Oskar und der Sahra …, Spiegelfechter vom 17.11.2009


Krieg

Karl-Theodor zu Guttenberg hätte es fast erwischt am Freitag in Afghanistan. Der Hubschrauber, in dem er zusammen mit dem Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und dem deutschen Botschafter Werner Hans Lauk saß, wurde vom Boden aus beschossen.

Taliban close to killing German defence minister, Telegraph.co.uk vom 15.10.2009, Autor: Allan Hall


Demonstration in der Innenstadt

20 Jahre später knallt es erneut, taz.de vom 15.11.2009, Autor: Benjamin Laufer

Von der gestrigen Demonstration habe ich erst in der Nacht etwas mitbekommen, als ich in die Stadt ging und viele Mannschaftswagen der Polizei unterwegs waren. (Wenn ich es gewusst hätte, hätte ich die Innenstadt auch gemieden. Zu viele Menschen mit zu viel Adrenalin.)

Das Mahnmal für Conny W. vor der Demonstration abzuschirmen, wie von der taz berichtet, ist sicherlich nicht wirkt auf mich nicht gerade deeskalierend.

Autonome und Polizei scheinen mir in einem bösen Spiel aneinandergekettet. Einschnappende Reflexe, einstudierte Rituale, die ständige Gefahr, dass die Situaion außer Kontrolle gerät. Eine Art Choreographie der Gewalt. Macht das noch irgendeinen Sinn?

Nachtrag

Bericht und Leserkommentare im Göttinger Tageblatt (online) vom 15.11.2009:
Festnahmen und Verletzte bei Autonomen-Demo in Göttingen

Fotostream vom PM_C, Flickr


Wenn man bei Facebook auf Angehörige trifft …

John ist bei Facebook Folgendes widerfahren:

TwitPic von Scherzinfarkt

Übersetzung:

John H. ist Fan von MILFS geworden.

Phillis H.: Ich hoffe, ich bin immer noch deine Lieblings-milf :)

John H.: Das ist widerlich, Mama.

Zur Erläuterung:
MILF ist laut Wikipedia ein vulgärer Ausdruck für attraktive Frauen mittleren Alters und die Abkürzung für „Mom, I’d Like to Fuck“.


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Anmerkung zur Regierungserklärung

Als Erstes müssten die Folgen der Krise überwunden werden. Das ist Punkt eins des Fünf-Punkte-Programms der neuen Regierung, heute von Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung vorgestellt. Vor den Folgen der Krise sollte erst einmal die Krise selbst überwunden werden. Ist die eigentlich zu Ende? Oder kommt da noch etwas, z.B. auf dem Arbeitsmarkt?

Zur Lösung setzt die Regierung auf Wachstum. Wachstum hängt von vielem ab. Der Einfluss der Regierung darauf wird oft überbewertet.

Setzt die Regierung z.B. mit den jüngsten Steuersenkungen auf Wachstum? Eher nein. Die helfen eher reichen Leuten, Ersparnisse zu bilden. Wo bleibt da der unmittelbare Wachstumsimpuls? 8,5 Milliarden Euro unter denen zu verteilen, die vom Regelsatz leben müssen, das wäre wachstumsfördernd; denn sparen kann in diesem Personenkreis kaum jemand. Das Geld würde fast komplett ausgegeben.


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